Denksalon 2007 Revitalisierender Städtebau - Zeiten in der Stadtentwicklung
 
22. bis 23. Juni 2007

Der Denksalon 2007: Zeiten in der Stadtentwicklung fand vom 22. bis 23. Juni 2007 in der Europastadt Görlitz / Zgorzelec statt.
Er beleuchtete die räumlichen Auswirkungen von Zeitstrukturen und auch die Zeitwirksamkeit von Raumstrukturen. Die Zusammenhänge, Wechselwirkungen und Potenziale wurden insbesondere im Hinblick auf neue Lösungsstrategien zur Revitalisierung unserer Städte betrachtet.

 
Programm und Anmeldung

Der Flyer gibt einen Überblick über Referenten, Tagungsprogramm und Tagungskonzept.

 
Themenforen

In drei Themenforen diskutierten internationale Fachexperten und Nachwuchswissenschaftler aus Theorie und Praxis disziplinübergreifend:
Forum 1 | ZEITGEIST – Stadt als Träger und Produzent von Zeitgeist
Forum 2 | ZEITRAUM – Urbane Transformationsprozesse zwischen
Beschleunigung und Irreversibilität
Forum 3 | ZEITBUDGET – Zeit als Ressource einer neuen Stadtökonomie

 
Thema | ZEITEN in der Stadtentwicklung
Städte werden geprägt von den Bürgern, ihrer Lebenszeit, ihrem Lebenstempo, dem Arbeitsrhythmus sowie dem gesellschaftlichen Wandel und politischen Zeitfenstern, wie Wahlperioden und Förderprogrammlaufzeiten oder ökonomisch bedingten Abschreibungszeiträumen. Seit es Städte gibt, sind die Auswirkungen gesellschaftlicher Veränderungsprozesse in ihnen besonders ausgeprägt. Neu sind die Geschwindigkeiten, denen die Veränderungsprozesse derzeit unterliegen. Die Folgen des demografischen Wandels, der wirtschaftlichen Transformation, der Globalisierung und der EU-Osterweiterung stellen neue Herausforderungen für die Gesellschaft und die Städte Europas dar. Sie besitzen zum einen unmittelbare oder verzögerte stadträumliche Auswirkungen, wie Veränderungen der Nutzung von Wohn- und Arbeitstätten, des öffentlichen Raums und der technischen und sozialen Infrastruktureinrichtungen. Zum anderen generieren sie neu „Stadtrhythmen“, welche die Häufigkeit und Art der Frequentierung städtischer Räume und Quartiere bestimmen und somit auch deren Vitalität. Der Faktor „Zeit“ ist folglich eines der prägenden Paradigmen der gegenwärtigen Stadtentwicklung und bildet eine wesentliche Determinante in Planungsprozessen.
Der Blick auf die städtische Entwicklung aus der „Zeitperspektive“ wird die derzeitige Fachdiskussion zur Zukunft unserer Städte bereichern, neue Handlungsfelder aufzeigen und Hinweise für eine (Re)Vitalisierung der Städte liefern. Im Rahmen des Denksalons 2007 werden ZEITEN in der Stadtentwicklung mit internationalen Fachexperten und Nachwuchswissenschaftlern aus Theorie und Praxis disziplinübergreifend diskutiert. Sowohl die räumlichen Auswirkungen von Zeitstrukturen als auch die Zeitwirksamkeit von Raumstrukturen sind zu berücksichtigen. In den drei Themenforen ZEITGEIST, ZEITRAUM und ZEITBUDGET werden die Zusammenhänge, Wechselwirkungen und Potenziale von Zeitstrukturen und Stadtentwicklung im Hinblick auf neue Lösungsstrategien, dabei auch im internationalen Kontext, beleuchtet.
 

 
Forum 1 | ZEITGEIST

- Stadt als Träger und Produzent von Zeitgeist
Der Zeitgeist, also die für eine bestimmte geschichtliche Zeit typische geistige Einstellung, prägt die Zeitempfinden, die gesellschaftliche Zeitorganisation, die Zukunftsvorstellungen und die Lebensperspektiven der Menschen. Und es ist zu vermuten, dass der Zeitgeist die Stadtentwicklung über ein breites Spektrum unterschiedlicher gesellschaftlicher Kriterien maßgeblich bestimmt. So ändert sich die “Nachfrage“ nach urbanen Raumangeboten in Abhängigkeit des Lebensabschnittes und der veränderten Lebensvorstelllungen. Spezifische Zeitstrukturen, unter¬schiedlichen Zeitkulturen, das Lebens¬tempo und das Zeitempfinden einer Gesellschaft resultieren aus politischen Rahmenbedingungen, sozioökonomischen Aspekten (wie die Schul- und Ferienzeiten, Flexibilisierung der Arbeits- und Betriebszeit, etc.), den daraus resultierenden gesellschaftlichen Zeitmustern und natürlichen Rhythmen (Vegetation-, Reproduktions-, Biorhythmen, Jahreszeiten, Tages-Nacht-Rhythmus).
Die Unterschiedlichkeit individueller Zeit- und Aktivitätsmuster bedingt in ihrer Gesamtheit die Vitalität einer Stadt bzw. des öffentlichen Lebens. Auch die Wahrnehmung von Entwicklungsprozessen (Problem- und Qualitätsbewusstsein), die Suche nach neuen Lösungswegen und die Offenheit gegenüber Neuerungen werden von dem Zeitgeist einer Gesellschaft maßgebliche mitbestimmt.

Impulsvorträge:
Wolfgang Nowak, Alfred Herrhausen Gesellschaft, Berlin
Urbanes Zeitalter – das Leben in der Stadt im globalen Kontext

Adrienne Goehler, Publizistin und Kuratorin, Berlin
Veränderungen der Stadtkultur einer sich wandelnden Gesellschaft

Prof. Dr. Adolf Muschg, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, Zürich
Stadt als Träger von Zeitgeist

Dr. Paul Sigel, Technische Universität Darmstadt
Konstruktion urbaner Identität im Wandel

 

 
Forum 2 | ZEITRAUM

– Urbane Prozesse zwischen Beschleunigung und Irreversibilität
Die Veränderung der Zeitrhythmen und Prozessgeschwindigkeiten erzeugen in den Alltags- und Lebenswelten der Stadtgesellschaft stadträumliche Differenzen in den verschiedenen Stadtquartieren und –typen. Die Stadt als Identitätsstifter ist nahezu undenkbar ohne die Permanenz von historischer Räumen und Stadtbildern. Zwar wird die zukunftsgerichtete Entwicklung einer Stadt immer durch ihr historisches Erbe determiniert, doch muss das städtische Raumangebot auch kontinuierlich an sich verändernde soziale und funktionale Nutzungsanforderungen angepasst werden.
Auf Ebene der Kommunen, Länder und des Bundes kann eine stärkere Gewichtung der Zeitgestaltung durchaus ein Instrument in der öffentlichen Planung und Steuerung sein. Erfahrungen aus anderen Stadträumen und Stadtkulturen Europas können hierfür hilfreiche Hinweise liefern. Der Zeitaspekt beschränkt sich hierbei nicht auf eine bessere Organisation des städtischen Lebens, sondern umfasst auch die Zeitplanung von Entwicklungsprozesse und Förderprogrammen. Denn die Geschwindigkeit der stadträumlichen, baulichen Überformung ist oft richtungsweisend für die langfristige Entwicklung der Städte. Die Bedeutung von Entwicklungsphasen, in denen „innere“ Prozesse durchlaufen werden ohne direkte „äußere“ Veränderungen vorzunehmen, ist in Zeiten eines vermeintlich hohen Handlungsbedarfs zu reflektieren. So könnte eine Entschleunigung der Stadtumbauprozesse auch Gelegenheit für das Nachdenken über Träume, Ziele und Visionen bieten.

Impulsvorträge
Prof. Dr. Peter Heintel, Alpen-Adria Universität Klagenfurt, Österreich
Veränderung der Zeitrhythmen und ihre Raumwirkung

Dr. Heike Liebmann, Institut für Regionalentwicklung und Strukturplanung (IRS), Erkner (bei Berlin)
Stadtumbauprozesse zwischen Irreversibilität und Beschleunigung

Pius Truffer, Hotel Therme Vals, Truffer AG, Vals, Schweiz
Vergangenheit als Zukunftspotenzial - Revitalisierung lokaler Traditionen

Stadtbaurätin Dr. Elisabeth Merk, Stadt München
Stadtumbau zwischen Kontinuität und Veränderung

 

DS07_Terrasse.jpg

 
Forum 3 | ZEITBUDGET

– Zeit als Ressource einer neuen Stadtentwicklung
Das alte Sprichwort „Zeit ist Geld“ weist seit jeher daraufhin, dass Zeit eine zentrale Ressource ist. Sie wird damit auch zu einem wichtigen Faktor der Stadtentwicklung. Allerdings ist mit Zeitbudget doch noch eine etwas differenziertere Sichtweise gemeint als die einseitige Ausrichtung von Zeit auf das Wirtschaftsgeschehen. Zeitbudgets beinhalten Reserven für ungleichzeitige Prozesse in der Stadtentwicklung, die mit Erinnerungs-, Neuorientierungs- Abstimmung- und Realisierungsphasen eng verknüpft sind. So ermöglicht ein positiv verstandenes Zeitbudget auch im Kontext vermeintlich zuverlässiger Prognosen eine Entwicklungsvielfalt und Planungsoffenheit für Unvorhergesehenes. Ebenso ist das Zeitbudget hinsichtlich der Lebensdauer alter Gebäude auf Neunutzung und Wiederverwertung zu gewichten. Wenn der Faktor Zeit in der Stadtentwicklung nur auf ökonomische Determinanten reduziert wird, dann verliert die urbane Stadtgesellschaft an Vitalität, Spontaneität und kreativem Potenzial. Vorausdenken und Anknüpfen an Tradition beinhalten unterschiedliche Potenziale an Zeitbudgets. Diese Ungleichzeitigkeiten ermöglichen Vielfalt und Innovation zur nachhaltigen Zukunftsgestaltung der Stadt.

Impulsvorträge
Prof. Dr. habil. Marco Lehmann-Waffenschmidt, Technische Universität Dresden
Zeit als Ressource einer neuen Stadtökonomie

Prof. Dr. Ulrich Mückenberger, Universität Hamburg
Neue urbane Zeithorizonte

PD Dr. Kristof Dascher, Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)
Veränderte Zeithorizonte in der Wohnungswirtschaft

Christopher Dell, Institut für Improvisationstechnologie (IFIT), Berlin
Improvisation als Strategie einer prozessorientierten Stadtentwicklung

 
Der Denksalon 2007 wird von der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung gefördert.
 
Ansprechpartner
Dipl.-Ing. Dipl.-Biol. Anne Pfeil, WM
anne.pfeil(at)mailbox.tu-dresden.de
fon +49 351 463397 12
fax +49 351 463397 13